RADAR 9/86

Seiten 60 und 61

Vor 20 Jahren

"U-Hai" gesunken

Am 14. September 1966 wurde die Marine von ihrem bisher schwersten Unglück betroffen.

Ein Bericht von Jürgen Kröger mit Fotos von Siegmund Mainusch

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Die beiden ersten Uboote der Bundesmarine, "U-Hecht" (S 171) und "U-Hai" (S 170) im "Päckchen" vor der Silhouette des Hamburger Hafens.

Wir waren alle ungeheuer betroffen. Für mich war und ist ein Uboot das sicherste Schiff, sagt Stabsbootsmann Siegmund Mainusch (49), der vier Jahre auf "U-Hai" gefahren ist. Von 1957 bis 1961 war er zunächst als Gefreiter, dann als Maat unter seinen Vorgesetzten zuständig für die elektrische Anlage des Bootes. Heute gibt Mainusch als erfahrener Uboot-Mann seine Kenntnisse in der Abteilung Ausbildung des Marineamtes an seine jungen Kameraden weiter.

Die "U-Hai" und ihr Schwesterboot "U-Hecht" waren 250-Tonnen-Uboote des Typs 23 der Kriegsmarine. "U-Hai" war als "U-2365" am 2. März 1945 in Dienst gestellt worden und am 8. Mai 1945 etwa 33 Seemeilen südöstlich der dänischen Insel Anholt - im Kattegat - gesunken. Der damalige Kommandant hatte die Tauchzellen geflutet, um das Boot kurz vor Kriegsende nicht in Feindeshand fallen zu lassen.

Nach mehr als elf Jahren im Ostseewasser war es noch so gut erhalten, dass die Bundesmarine das Boot am 18. Juni 1956 heben ließ. Es wurde instandgesetzt und als "U-Hai" - NATO-Kennzeichnung S 170 -, am 15.August 1957 in Dienst gestellt.

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Am 18. Juni 1956 wurde das spätere "U-Hai" aus der Ostsee geborgen, es hatte die vorläufige Typenbezeichnung "U 1'.

"U-Hai" fuhr ohne Zwischenfälle, auch nach einem Umbau 1962/63, bis zum 14. September 1966. An diesem Tag war "U-Hai" zusammen mit ihrem Schwesterboot "U-Hecht"-, der "U-3", dem Tender "Lech" und dem Ubootsicherungsfahrzeug "Passat" in der Nordsee auf dem Weg ins schottische Aberdeen.

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Das Boot nach dem Umbau mit neuem Turm und der NATO-Kennung "S 170" in der Neustädter Bucht.

Bei schwerem Wetter riss um 18.45 Uhr der Funkkontakt zwischen Tender "Lech" und dem aufgetaucht fahrenden Boot ab. Letzte Positionsmeldung von 18.42 Uhr: 55 Grad, 9.6 Minuten Nord 4 Grad, 20.3 Minuten Ost.

"U-Hai" war mit 20 Besatzungsmitgliedern über der Doggerbank gesunken. Einziger Überlebender, der damals 23jährige Obermaat Peter-Otto Silbernagel, der Smut des Bootes. Er wurde erst am Morgen des 15. September, nachdem er dreizehn-einhalb Stunden in der aufgewühlten See getrieben hatte, völlig erschöpft von einem englischen Trawler geborgen.

Glück hatte noch ein anderes Besatzungsmitglied der "U-Hai". Sanitätsobermaat Danner, der bereits die Reise des Bootes von Neustadt/Holstein nach Kiel mitgemacht hatte, verpasste den Kutter, der ihn auf sein Schiff bringen sollte. Er schiffte sich deswegen auf dem Begleittender ein, um in Brunsbüttel "umzusteigen". Vor der Schleuse schob sich jedoch ein Küstenmotorschiff zwischen Tender und "U-Hai". Als die "Lech" ausschleuste, war das Uboot schon in voller Fahrt; ein Umsteigen nicht mehr möglich.

Niemand weiß bis heute genau, was wirklich die Ursache für dieses bisher schwerste Unglück in der Bundesmarine war. Mainusch, der das Boot wie seine Westentasche kannte, ist der Meinung, dass alles blitzschnell gegangen sein muss. Menschliches Versagen und eine Verkettung unglücklicher Umstände, haben wohl zum Untergang geführt. Das Boot selber war absolut sicher! Nie haben wir ein ungutes Gefühl gehabt, wenn wir auf See waren!"

Das Schwesterboot "U-Hecht" fuhr übrigens ohne Probleme weiter bis zu seiner Außerdienststellung am 30. September 1968. "U-Hai" wurde eine Woche nach dem Unglück gehoben, unter dem Schwimmkran "Magnus III" hängend nach Helgoland verbracht und später verschrottet.

Jürgen Kröger

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