Cellesche Zeitung

21. Mai 2005

Blutjunge Anfänger - und trotzdem Pioniere auf See

In Wietze werden Erinnerungen an die Zeit unter Wasser wach

Alle zwei Jahre treffen sich die Besatzungsmitglieder des U-Boots „Hai" -  sein Untergang gilt als das größte Marine-Unglück nach 1945

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Cellesche Zeitung

WIETZE (mkl). Einer auf der „Hai" zu sein - das war was in den 50ern und 60ern. Das Ausbildungsboot „Hai" war als erstes U-Boot der Bundesmarine am 15. August 1957 wieder in Dienst gestellt worden. Und die, die darauf fahren konnten, waren zwar zum großen Teil blutige Anfänger - aber dennoch Pioniere der See. Am Ende dieser Woche werden jede Menge Erinnerungen aufgefrischt sein. Denn zur Zeit sind knapp 30 Hai- Veteranen, Maats und Smuts, Admiräle und Kommandanten a.D. aus ganz Deutschland für drei Tage zu Besuch in Wietze.

Sie sind stolz, dabei gewesen zu sein. Da guckte man auch darüber hinweg, dass die Verhältnisse unter der Meeresoberfläche nicht nur sehr eng, sondern auch sehr gewöhnungsbedürftig waren. „Heute frage ich mich manchmal, wie ich das ausgehalten habe", sagt Ingo Sens aus Wietze. Auch wenn er nach sechs Jahren bei der Marine wieder ins zivile Leben zurückgekehrt ist - die Zeit mit dem U-Boot Hai und vor allem mit seiner Besatzung wird er nie vergessen.

So wie die vielen kleinen und großen Geschichten rund um das Leben im U-Boot. Da ist zum Beispiel die Sache mit dem Duftwasser „Kolibri", mit dem die jungen Männer nach zwei Wochen ohne Dusche den Bootsmief zu überdecken versuchten.
Oder der Kuchenteig, der vor der Backform erst einmal auf dem Boden landete.

Aber mit Peter Silbernagel, der von Sylt kommt, reist auch ein trauriges Stück Hai-Geschichte mit an: Er ist der Einzige, der den Untergang des U-Boots am 14. September 1966  überlebte - das größte deutsche Marine-Unglück der Nachkriegszeit. „Die Frage, wie das passieren konnte, taucht bei jedem Treffen wieder auf, sagt Ingo Sens, „aber die schönen Momente und Geschichten überwiegen."

Alle zwei Jahre treffen sich die U-Hai-Besatzungsmitglieder irgendwo in Deutschland. Und jedes Jahr kommen Neue hinzu - die jüngeren sind Mitte 50, die Ältesten über 80 Jahre alt. Ein paar „Verschollene" gibt es noch - seit Jahren ist Siegi Mainusch aus Kronshagen dabei, sie ausfindig zu machen. „Gut 20 fehlen mir noch", sagt er. Aber bestimmt werden sie bald auftauchen.

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