Marinezeitung "LEINEN LOS !"

Nummer 10/1960

Die Kriegsschiffsnamen der Bundes-Marine und ihrer Vorgänger

Unterseeboot "Hai"

Von Albert Röhr

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Marinebundes

Mit dem Stapellauf dieses U-Bootes tauchte der Name „Hai" zum sechsten Male in unserer Marinegeschichte auf. Der erste Namensträger, das Dampfkanonenboot II. Kl. "Hay", wurde 1859 als Schwesterschiff der „Wespe" (siehe „Leinen los!" Nr. 7/1957) bet J. W. Klawitter in Danzig auf Stapel gelegt and im Frühjahr des nächsten Jahren erstmalig in Dienst gestellt. Während des zweiten Krieges um Schleswig-Holstein gehörte das Boot zur I. Division der Kanonenbootsflottille and nahm unter Oberleutnant z. S. Jung an dem Seegefecht bei Jasmund am 17. März 1864 teil. Wahrend des Krieges 1870/71 gehörte S.M.S. "Hay" zur Verteidigung der VVeser-117undung. Danach wurde es nur kurzzeitig in Dienst gehalten, am 7. September 1880 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen and schließlich als Inventarienprahm aufgebraucht.

Im gleichen Jahre lief auf der Kaiserlichen Werft Danzig ein hölzernes, mit einem Schornstein and einem Mast versehenes Kanonenboot von Stapel, das nun den Namen "Hay" erhielt. Es war rund 40 Tonnen kleiner als sein Namensvorgänger, wies etwa die gleiche Geschwindigkeit auf and erhielt als Bewaffnung je 4 Geschütze 3,7 and 8,7 cm. Nach der Indienststellung am 15. Juni 1882 wurde es dem Artillerie-Schulschiff "Mars" als Tender zugeteilt and in der Hauptsache zum Scheibenschleppen verwendet. 1891 erhielt SMS "Hay" als neue Bewaffnung 2 Schnellladekanonen 8,8 cm, Am 28. September 1906 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen, wurde es als Scheibenprahm in Friedrichsort auf- gebraucht.

Den dritten "Hay" haute 1906/07 die Werft G. Seebeck in Geestemünde als Tender, and zwar aus Stahl. Er war 670 t grol3, 42,9 m lang, 9 m breit and besaß einen Tiefgang von 3,47 m. Die Geschwindigkeit betrug 12,5 kn.

Als Armierung erhielt das Schiff  wechselnd 4 his 8 Schnellladekanonen 5,2, 8,8 and 10,5 cm. Es stellte erstmalig am 10. 12. 1907 in Dienst, diente aber nicht nur als Tender, sondern auch als Artillerieschulschiff. Be! Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde SMS "Hay" der Hafenflottille Jade/Weser zugeteilt, also im Vorpostendienst eingesetzt. Die Reichsmarine verwendete das Schiff von 1920 his zum 4. Oktober 1932 als Artillerieschulschiff.

Das nächste Schiff dieses Namens gehörte als "F 3" ursprünglich zu den "Flottenbegleitern" (2 Schornsteine, 2 Masten), die 1935/37 auf der Germaniawerft Kiel gebaut wurden, Die Konstruktion erwies sich in der Praxis als nicht sehr zweckmäßig. Es wurde 1938/39 nach einem Umbau (Verlängerung am Bug) als Flottentender verwendet, erhielt zunächst den Namen "Königin Luise", ab 1939 den Namen "Hai". Größe 600 t, Geschwindigkeit 28 kn, Lange 73 m, Breite 8,8 m, Tiefgang 1,8 m, Bewaffnung 2 Geschütze 10,5 cm, je 4 Flakgeschütze 2 cm und 3,7 cm.  Während des zweiten Weltkrieges diente "Hai" als Führerboot des F. d. M. Ost und geleitete in dieser Eigenschaft u.a. die Flotte zur Norwegen-Unternehmung durch die Sperren im Großen Belt und Kattegatt. Am 3. Mai 1945 sank es nach Fliegerbombentreffern in der Kieler Bucht, wurde 1948 gehoben und abgewrackt.

Zum fünften Male erschien der Name "Hai" für ein während des zweiten Weltkrieges auf der AG Weser in Bremen gebautes Kleinst-U-Boot von 5 cbm Rauminhalt, 8 m Länge, 0,53 m Breite, 20 kn Geschwindigkeit, 1 Mann Besatzung. Die Torpedos waren unter dem Boot befestigt. Ursprünglich sollte es seine Funktion durch Selbstsprengung erfüllen. Es blieb das einzige Boot dieses Typs. Sein Schicksal ist dem Verfasser bisher nicht bekannt geworden.

Anmerkung: Die Namen von Troßschiffen sind nicht berücksichtigt

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