a)

Seetüchtigkeit des Ubootstyps 240 (Hai und Hecht)

 

1.

Die Boote des Typs 240 sind kentersicher und jedem Wetter gewachsen.

 

2.

Hinsichtlich der Sicherung der Schwimmfähigkeit in der friedensmäßigen Überwasserfahrt ist das verhältnismäßig geringe relative Reservedeplacement kennzeichnend. Sofern alle vorhandenen technischen Anlagen intakt sind und der Lage entsprechend benutzt werden, ist es trotzdem nicht denkbar, dass ein Boot vom Typ 240 aus der Überwasserfahrt in Verlust gerät.

b)

Ursache des Untergangs U Hai

 

1.

Es wird angenommen, dass die festgestellte Undichtigkeit der Tauchzellenlüftung 1 erst eine Folge, jedoch keine Ursache des Untergangs von U Hai ist.

 

2.

Das Abblasen des Überdrucks der Tauchzellen als Folge des Seegangs in Verbindung mit einer Teilflutung der Tauchzelle 2 durch undichte Ventile verringerte den Restauftrieb des Bootes.

 

3.

Es wurden keine weiteren Mängel an den technischen Anlagen festgestellt, ein Wassereinbruch über ein Leck scheidet als Unfallursache aus.

 

4.

Die Katastrophe wurde vermutlich dadurch eingeleitet, dass über den in halber Turmhöhe liegenden Luftabnahmestutzen des eingefahrenen Schnorchels ziemlich unbemerkt soviel Wasser in die Maschinenraumbilge eintreten konnte, dass der Restauftrieb des Bootes noch weiter vermindert wurde und eine Achterlastigkeit eintrat.

Wäre der tauchklare Zustand hergestellt worden, dann wäre auch der Restauftrieb erhalten geblieben.

Die ungewohnte Vermehrung des Tiefgangs sowie die ungewohnte Achterlastigkeit bei Überwasserfahrten konnten in Verbindung mit dem Wassereintritt über Luftabnahmestutzen vermutlich den Eindruck entstehen lassen, dass ein Wassereinbruch durch ein Leck erfolgte.

 

5.

Weitere Wassermengen konnten, begünstigt durch das Arbeiten des Bootes im Seegang und die längere Überflutung aufgrund des eingetretenen geringen Freibords, sowohl über das Ventil des vermutlich erst im letzten Augenblick geschlossenen Luftabnahmestutzens als auch über das Turmluk ins Boot gelangen.

 

6.

Da offensichtlich ein Leck als Ursache des Wassereintritts angenommen wurde, sind auch jetzt keine Maßnahmen mehr zur Sicherung des Restauftriebs ergriffen worden. Dadurch kam das Turmluk bei bereits eingetretener starker Achterlastigkeit zu Wasser und das Boot ist durch die offengebliebenen Absperrungen des Einsteigeschachtes (Turmluk, Zentralluk, Sprachrohr) vollgelaufen.

Die Sachverständigen werden ihren Abschlußbericht der Staatsanwaltschaft nach Fertigstellung der umfangreichen Anlagen vorlegen.

Mit Rücksicht auf die noch laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungen kann das BMVtdg im gegenwärtigen Zeitpunkt zu dem vorliegenden Bericht keine weitere Stellungnahme abgeben.

Zum allgemeinen Verständnis des vorliegenden Berichts werden die darin enthaltenen Uboots-technischen Fachausdrücke nachstehend erläutert:

Zu a 2.:

Relatives Reservedeplacement: Das Reservedeplacement bei einem Uboot ist das Tauchzellenvolumen, das bei Überwasserfahrt mit komprimierter Luft gefüllt ist. Diese Luft entweicht zum Tauchen durch das Öffnen der sog. Tauchzellenentlüftungen. Dadurch werden die Tauchzellen von unten her durch die Flutschlitze mit Wasser gefüllt. Das Verhältnis des Tauchzellenvolumens zum Volumen des Bootes (Deplacement) nennt man das relative Reservedeplacement.

Zu b 1.:

Tauchzellen: Der Typ 240 hat 3 Tauchzellen. Tauchzelle 1 hinten, Tauchzelle 2 in der Mitte, Tauchzelle 3 vorn.

Zu b 2.:

Abblasen des Überducks der Tauchzellen und Restauftrieb: Bei schwerem Seegang bewegt sich das Boot so stark, daß die Flutschlitze der Tauchzellen zeitweise an die Oberfläche kommen. Die komprimierte Luft kann dann teilweise entweichen. In diesem Falle verringert sich durch den Luftverlust in der Tauchzelle der Restauftrieb.

Zu b 4.:

Luftabnahmestutzen: Der LASt befindet sich bei normaler Schwimmlage 1,5 m über der Wasserlinie innerhalb der Turmverkleidung. Über ihn kann bei Überwasserfahrt Frischluft in den Dieselmotorenraum zugeführt werden. Seine wesentliche Funktion ist die Verbindung zum ausgefahrenen Schnorchelmast bei Unterwasserfahrt. Wird bei Unterwasserfahrt Frischluft benötigt, so wird sie über den Schnorchel angesaugt. Tauchklar ist ein Uboot, wenn alle Druckkörperdurchbrechungen (Ventile, Schieber, Luken pp.) geschlossen sind.

Zugriffe Heute 19 - Insgesamt 92753